Psychosophie

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In der Begegnung mit anderen Menschen können wir uns selbst und andere besser verstehen lernen. Wenn wir miteinander sprechen, begegnen sich subjektive Welten. Vielleicht entstehen daraus Einsichten, die für das je eigene Leben von Bedeutung sind.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Sprich in mein rechtes Ohr

Die Sprache ist gelegentlich recht aufschlussreich... da gibt es Redewendungen wie "auf einem Ohr taub sein" oder die bekannte Klage von Eltern, die Kinder hätten ihre Ohren "auf Durchzug gestellt"... Auf jeden Fall gibt es zu diesem Thema eine neue Studie, die ich hier kurz vorstellen möchte.
Wir machen dazu einen kleinen Ausflug nach Italien, nach Chieti genauer gesagt. An der Universität "Gabriele d'Annunzio" untersuchten Dr. Luca Tommasi and Daniele Marzoli in einer Serie von drei Studien, ob es einen Unterschied macht, auf welches Ohr eine Äußerung trifft. Zum Verständnis muss vielleicht kurz die Hemisphärenasymmetrie erwähnt werden - die rechte Hirnhälfte ist für die linke Körperseite zuständig und umgekehrt. Die Forschung zu Sprachzentren im Gehirn hat bereits eine längere Tradition, vereinfacht gesagt ist eher die linke Hirnhälfte für Sprache zuständig. So gesehen liegt die Vermutung nahe, dass das rechte Ohr eher geeignet ist, sprachliche Reize aufzunehmen und zu verarbeiten. In der Tat zeigte sich in den Studien, dass das rechte Ohr bevorzugt wird - die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aufforderung aufgenommen und umgesetzt wird, ist größer, wenn sie auf das rechte Ohr trifft. Nun könnte man einwenden, das wäre ja wohl eine Laborstudie gewesen, die man auf den Alltag nicht übertragen könne... stimmt aber nicht.
In der ersten Studie ging es um einen Club, laute Musik im Hintergrund, das bedeutet also, man muss schon etwas näher kommen, wenn man sich verständlich machen will. 286 Personen wurden untersucht - und dabei erfolgten 72 Prozent der Ansprachen in das rechte Ohr. Die Schlussfolgerung, dass NUR das rechte Ohr angesprochen wird, wäre falsch, aber die Präferenz ist deutlich und stimmt mit den Laboruntersuchungen überein.
In der zweiten Studie ging es um eine Anfrage: "kann ich mal eine Zigarette haben?" (so ungefähr, aus dem Italienischen frei übersetzt). Die Frage war, welches Ohr der oder die Angesprochene zur Verfügung stellt... 58 Prozent (von 160 beobachteten Personen) näherten sich mit dem rechten Ohr, 42 Prozent mit dem linken. Auch hier zeigte sich also: das rechte Ohr wird bevorzugt.
In der dritten Studie wurde direkt das linke oder rechte Ohr angesprochen: bei 176 Versuchspersonen zeigte sich, dass sie statistisch signifikant mehr Zigaretten bekamen, wenn das rechte Ohr angesprochen war. Insgesamt ziehen die Forscher den Schluss, dass die Präferenz der linken Hirnhälfte für sprachbezogene Kommunikation bestätigt ist, ebenso dass Annäherungs- und Vermeidungsverhalten stärker über die linke Hirnhälfte gesteuert werden.

Etwas nachdenklich bin ich schon geworden... die klassischen Festnetztelefone (vor allem die alten Wählscheiben) waren so konzipiert, dass die Wählscheibe am besten mit der rechten Hand zu bedienen war - der Hörer landet dann links, also eher auf dem "falschen Ohr". Wenigstens wird jetzt nachvollziehbar, warum manche Leute ihr Telefon auf die linke Seite stellen oder ihr Handy an das rechte Ohr halten. Möglicherweise gibt es aber auch individuelle Unterschiede - vielleicht bevorzugt der eine oder die andere nun doch das linke Ohr, auch wenn das nicht bedeuten muss, dass die Hirnhälften vertauscht sind... Zumindest gibt es Hinweise darauf, dass die linke Hirnhälfte meistens für die Sprachverarbeitung zuständig ist, die rechte Hälfte aber nicht ganz unbeteiligt ist und bei manchen Menschen sogar die wichtigere Hälfte sein kann. Wie auch immer, vielleicht wäre es interessant, einmal zu beobachten, welches Ohr sich besser zum Telefonieren eignet - und ob die Kinder eher reagieren, wenn sie die Aufforderung, die Hausaufgaben zu machen (oder ähnliches) in das rechte Ohr geflüstert bekommen.

Quelle:
Science Daily. 23/06/2009. Need Something? Talk To My Right Ear
Die Studie im Original:
Marzoli et al. Side biases in humans (Homo sapiens): three ecological studies on hemispheric asymmetries. Naturwissenschaften, 2009; DOI: 10.1007/s00114-009-0571-4

1 Kommentar:

  1. Die Telefone mit der Wählscheibe mochte ich sehr, schon alleine den Klang, den die Scheibe beim Wählen machte. Ich glaube auch, sie waren absichtlich so konzipiert, dass man den Hörer mit der linken Hand halten musste. Das kam der Mehrheit der Rechtshänder entgegen, die sich dann während des Telefonierens auch Notizen machen konnten. Andererseits wird in letzter Zeit immer öfter und an allen möglichen Orten telefoniert, ohne dass die Leute sich Notizen machen, es wäre also völlig egal, mit welchem Ohr, aber trotzdem nehmen die meisten Menschen das Telefon in die linke Hand. Beobachtung, keine Studie.
    Liebe Grüße von Margot

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